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Warum kannten die verlassenen Zwillinge den geheimen Namen meiner toten Frau? / Chapter 1 / 6

Chapter 1 — Warum kannten die verlassenen Zwillinge den geheimen Namen meiner toten Frau?

4.9Editorial score

Das Foto glitt halb aus der Akte und blieb auf meinem Knie liegen.

Draußen stand Caleb vor der Scheibe.

Noch wenige Sekunden zuvor hatte er gelächelt, als sei die Rückkehr seiner Töchter nur eine Formalität.

Jetzt starrte er auf das Bild, und jede Farbe wich aus seinem Gesicht.

Es zeigte ihn in einer Küche.

Eine Hand lag um Maras Handgelenk.

Die andere hielt ihr Telefon über einen brennenden Topf.

Im Hintergrund standen Emma und Ella, deutlich jünger, aneinandergepresst neben einem Kühlschrank.

Auf der Rückseite hatte jemand Datum, Uhrzeit und die Namen zweier Zeugen notiert.

„Das ist aus dem Zusammenhang gerissen!“, rief Caleb.

Der Hilfssheriff neben ihm blickte erst auf das Foto, dann auf Caleb.

Die Frau mit der Aktentasche sagte nichts.

Sie stand etwas abseits, den Körper ruhig, die Augen aufmerksam.

Nora war noch immer am Telefon.

„Schließ die Tür ab“, sagte sie.

„Und lass niemanden hinein, bis die zuständige Einheit da ist.“

„Hier steht, ich sei vorläufiger Vormund.“

„Mara hat dich benannt.

Olivia war die ursprüngliche Ersatzperson.

Nach ihrem Tod ging die Benennung laut Dokument auf dich über.

Mara hat vor zwei Tagen einen Eilantrag gestellt.

Der Richter hat ihn heute Nachmittag bestätigt.“

Ich sah zu den Mädchen.

Emma saß hinter dem Sessel und hielt ihre Schwester im Arm.

Ella hatte das Stück Brot noch immer in der Hand.

„Wo ist ihre Mutter?“

Nora schwieg einen Moment zu lange.

„Wir wissen es nicht genau.

Ihr Wagen wurde heute Morgen verlassen an einer Forststraße gefunden.

Blut war keines darin, aber die Fahrertür war offen.

Das Telefon fehlte.“

Mein Blick fiel auf den Waldweg hinter dem Haus.

Caleb schlug wieder gegen die Tür.

„Brooks! Sie machen einen Fehler.

Diese Kinder sind verängstigt und verwirrt.

Mara hat sie manipuliert.“

„Sie sind sechs“, sagte ich durch die geschlossene Tür.

„Genau deshalb verstehen sie nicht, was gut für sie ist.“

Emma zuckte bei seiner Stimme zusammen.

Ich legte den Brief auf den Tisch und kniete mich vor sie.

„Hat eure Mutter euch etwas gegeben?“

Emma schüttelte den Kopf.

Ella sah unter das Sofa.

Dort lag ein kleiner roter Rucksack, halb von einer Decke verdeckt.

Ich zog ihn hervor.

Darin befanden sich zwei Kinderpullover, eine Packung Kekse, ein Schlüsselbund und ein Telefon mit gesprungenem Display.

Das Gerät klingelte in meiner Hand.

Auf dem Bildschirm stand nur ein Wort: MAMA.

Ich nahm ab.

„Hallo?“

Zuerst hörte ich Wind.

Dann eine Frau, die so leise sprach, dass ich den Hörer fest gegen mein Ohr drücken musste.

„Ethan?“

„Mara?“

Ein hörbares Ausatmen.

„Olivia hat gesagt, du würdest nicht wegsehen.“ Die Worte trafen mich beinahe ebenso hart wie der Anblick der Mädchen auf der Veranda.