Lydia ließ den Finger auf der elektronischen Signatur ruhen.
“Mrs Hale”, sagte sie, ohne Serena aus den Augen zu lassen, “diese Unterschrift stimmt nicht mit Ihrer überein.”
Der Regen lief in schmalen Fäden vom Dach der Veranda.
Hinter mir roch das Haus nach Tee und Zitronenpolitur.
Vor mir standen mein Sohn, seine Frau und die Frau, die seit zweiundzwanzig Jahren unsere Bankgeschäfte kannte.
Serena war die Erste, die sich bewegte.
Sie lachte einmal kurz, aber das Geräusch war trocken und zu hoch.
“Natürlich stimmt sie nicht exakt überein.
Margaret unterschreibt inzwischen anders.
Sie ist siebenundsiebzig.”
Ich sah Lydia an.
Lydia blätterte zur nächsten Seite.
“Die Autorisierung wurde am 14.
Mai um 9:42 Uhr elektronisch bestätigt.”
Der Tag sagte mir zunächst nichts.
Dann erinnerte ich mich an das weiße Licht über meinem Krankenhausbett, an den Geschmack von Plastik im Mund und an Wesley, der mir versprochen hatte, nach der Hüftoperation auf alles aufzupassen.
“Da war ich unter Narkose”, sagte ich.
Wesleys Kopf fuhr zu Serena herum.
“Was?”
“Das ist doch lächerlich”, sagte sie.
“Deine Mutter hatte mir längst vorher Zugriff gegeben.
Sie erinnert sich nur nicht mehr.”
Lydia hob ein weiteres Blatt.
“Das Krankenhaus hat den stationären Aufenthalt bestätigt.
Die verwendete IP-Adresse gehörte außerdem zum privaten Internetanschluss im Stadthaus.”
Für einen Moment war nur der Regen zu hören.
Serenas rechte Hand glitt in die Tasche ihres Mantels.
Sie zog ihr Telefon heraus, aber ihr Daumen schwebte über dem Display, ohne etwas zu berühren.
Wesley sah plötzlich älter aus als am Tag zuvor.
Nicht reifer.
Nur müder.
Die Haut unter seinen Augen war grau.
“Serena”, sagte er, “was ist S.
Hale Consulting?”
Sie antwortete nicht.
Lydia tat es.
“Eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, registriert auf Serena Elise Hale.
Das Konto erhält seit elf Monaten monatlich 4.800 Dollar von Mrs Hales Privatkonto.
Insgesamt 52.800 Dollar.”
Ich rechnete nicht nach.
Ich musste es nicht.
Die Zahl traf mich nicht wie ein Schlag.
Sie setzte sich vielmehr an ihren Platz, als hätte in meinem Kopf lange ein Puzzleteil gefehlt.
Die teure Handtasche.
Die plötzlich renovierte Küche.
Die Reise nach Palm Beach, die Serena angeblich von einer Freundin geschenkt bekommen hatte.
Die ständigen Bemerkungen darüber, dass ihr Geschäft bald durchstarten werde.
“Du hast von meinem Konto Geld an dich selbst überwiesen”, sagte ich.
“Es war für die Familie”, erwiderte sie sofort.
“Für Repräsentation.
Für Kontakte.
Für Wesleys Karriere.
Du hast doch immer gesagt, du willst helfen.”
“Helfen ist nicht dasselbe wie bestohlen werden.”
Serenas Gesicht wurde hart.
“Sei vorsichtig mit solchen Worten.”