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Der Schlüssel des Toten brachte Sebastians Familie zum Schweigen / Chapter 4 / 7

Chapter 4 — Der Schlüssel des Toten brachte Sebastians Familie zum Schweigen

4.9Editorial score

Ernests Arbeitszimmer befand sich im oberen Stockwerk.

Die Tür war verschlossen.

Der Messingschlüssel passte.

Drinnen roch es nach Holz, Staub und kaltem Kaminrauch.

An der Wand hing ein großes Gemälde von Ernests erster Frau, Sebastians Mutter Helena.

Marina trat davor.

„Hinter dem Porträt.“

Zwei Beamte hoben den schweren Rahmen vorsichtig ab.

Dahinter befand sich ein in die Wand eingelassener Safe.

Der Schlüssel öffnete auch ihn.

Im Inneren lag keine einzelne Akte, sondern eine flache Stahlkassette, mehrere versiegelte Umschläge und ein kleines Aufnahmegerät.

Auf der Kassette stand Sebastians Name.

Seine Hände wurden kalt.

Der Ermittler dokumentierte jedes Stück, bevor er die Kassette öffnete.

Obenauf lag Ernests handschriftlicher Brief.

Sebastian begann zu lesen.

„Falls du das hier findest, habe ich entweder endlich den Mut aufgebracht, die Wahrheit zu sagen, oder jemand hat dafür gesorgt, dass ich es nicht mehr kann.“

Darunter lagen Kontoauszüge, Überweisungsbelege, medizinische Unterlagen und Kopien von Verträgen.

Die Dokumente zeigten, dass Alicia über Jahre Geld aus Ernests Privatvermögen auf Briefkastenfirmen transferiert hatte.

Doch das war nur der Anfang.

Eine zweite Mappe enthielt E-Mails zwischen Alicia, Julian und einem privaten Arzt.

Darin besprachen sie Ernests zunehmende Verwirrtheit, seine Medikamentendosierung und die Frage, wie schnell er für geschäftsunfähig erklärt werden könne.

Vanessas Name tauchte ebenfalls auf.

Nicht als Drahtzieherin, sondern als Druckmittel.

Alicia hatte ihre hohen Spielschulden bezahlt und im Gegenzug Zugriff auf ihren Stiftungsratscode verlangt.

„Sie wurde benutzt“, sagte Marina.

Sebastian sah sie an.

„Sie hat es trotzdem zugelassen.“

„Ja.“

Es war kein Freispruch.

Nur eine genaue Feststellung.

Der Ermittler schaltete das Aufnahmegerät ein.

Ernests Stimme erfüllte das Arbeitszimmer.

Sie klang schwächer, als Sebastian sie kannte.

„Alicia glaubt, ich merke nicht, was sie tut.

Julian glaubt, ich sei zu alt, um mich zu wehren.

Vanessa glaubt, sie könne alles später erklären.

Sie irren sich alle.“

Es folgte ein Husten.

„Ich habe mein Testament geändert.

Nicht um meine Kinder zu bestrafen, sondern um zu verhindern, dass die Firma in den Händen derer landet, die mich bereits bei lebendigem Leib begraben.“

Sebastian blickte auf den versiegelten Umschlag mit dem Namen eines Notars.

Die nächste Aufnahme war erst zwei Tage alt.

„Heute hat Alicia erfahren, dass ich meine Anteile in eine Stiftung übertragen will.

Sie sagte, ich würde das Familienerbe zerstören.

Julian drohte, mich für unzurechnungsfähig erklären zu lassen.

Danach brachte mir Vanessa meine Tabletten.“

Sebastian schloss die Augen.

Er erinnerte sich an das Familienessen.

Vanessa hatte ihrem Vater ein Glas Wasser gereicht.

Julian hatte über die Unternehmensanteile geschrien.

Alicia hatte behauptet, Ernest brauche Ruhe.

Wenige Minuten später war er zusammengebrochen.

In der Kassette lag außerdem ein medizinisches Gutachten.

Ernest hatte heimlich Bluttests durchführen lassen.

Bereits Wochen zuvor waren Spuren eines Beruhigungsmittels gefunden worden, das ihm nie verschrieben worden war.