Einer drehte ihn vom Tisch weg, der andere zog Handschellen hervor.
„Fassen Sie mich nicht an!“, rief Darren.
Sein charmantes Flüstern war verschwunden.
„Wissen Sie, wer mein Vater ist?“
Moretti legte den Kopf leicht schief.
„Vor einer Minute wollten Sie noch wissen, wer ich bin.“
Darren wurde rot.
„Das ist eine Falle.
Dieser Mann hat mich provoziert.
Elena hat ihn wahrscheinlich vorher angerufen.“
Ich starrte ihn an.
Selbst jetzt erfand er eine Welt, in der ich die Schuldige war.
Eine Welt, in der jeder Beweis nur bewies, wie geschickt ich ihn betrogen hatte.
„Ich kannte Mr.
Moretti bis heute Abend nicht“, sagte ich.
„Halt den Mund“, fauchte Darren.
Der jüngere Beamte legte ihm die erste Handschelle an.
Das metallische Klicken war nicht laut.
Für mich klang es wie eine Tür, die sich endlich schloss.
Doch Darren war noch nicht fertig.
„Wenn ihr mich hier rausführt, ist sie morgen ihren Job los“, sagte er.
„Ich habe E-Mails an die Schulbehörde vorbereitet.
Fotos.
Beschwerden von angeblichen Eltern.
Ihr glaubt, ich hätte keinen Plan?“
Mein Magen sank.
Darren sah es und lächelte wieder.
Da war sie, seine vertraute Genugtuung.
Er hatte noch einen Hebel gefunden.
„Ich sagte doch, Elena.
Du machst mich nicht öffentlich zum Narren.“
Moretti wandte sich Nora zu.
„Haben wir das auch?“
Sie zog ein Tablet aus ihrer Tasche.
„Seine Nachrichten an die Schuladresse wurden bereits gesichert.
Ebenso die E-Mails von drei neu erstellten Konten.
Die IT-Abteilung der Schule hat die IP-Protokolle aufbewahrt.“
Ich blinzelte.
„Woher wissen Sie davon?“
„Sie haben vorhin gesagt, dass er bei Ihrer Schule aufgetaucht ist“, erklärte Moretti.
„Während wir auf die Polizei warteten, ließ ich Nora die öffentlich erreichbare Notfallnummer des Schulbezirks kontaktieren.
Ihr stellvertretender Schulleiter war noch im Gebäude.“
„Sie haben ihn angerufen?“
„Er kannte den Namen Darren Cole bereits.“
Diese Erkenntnis traf mich fast so hart wie Darrens Drohung.
Ich hatte geglaubt, ich hätte alles verborgen.
Doch offenbar hatten Kollegen seine Besuche bemerkt, die Blumen, die Anrufe, die Art, wie ich bei jedem fremden Wagen vor der Schule zusammenzuckte.
Nora reichte mir das Tablet.
Darauf stand eine kurze Nachricht meines stellvertretenden Schulleiters, Mr.
Alvarez: Elena ist nicht allein.
Alle Zutrittsdaten und Aufnahmen werden gesichert.
Darren Cole erhält ab sofort Hausverbot.
Wir unterstützen jede Schutzanordnung.
Meine Sicht verschwamm.
Ich weinte nicht aus Angst.
Ich weinte, weil jemand mir glaubte, ohne dass ich erst zusammenbrechen musste.