Die Feier wurde kleiner.
Die Champagnerwand entfiel.
Die Band sagte ab, weil sie bereits vertraglich an den Lindenhof gebunden gewesen war und die Ersatzbedingungen nicht akzeptierte.
Die Pressefotografin kam ebenfalls nicht.
Noch am selben Abend schickte Ryan mir drei Nachrichten.
Die erste lautete: “Bist du jetzt zufrieden?”
Die zweite: “Dad übertreibt völlig.”
Die dritte kam nach Mitternacht: “Ich hätte Emma selbst Bescheid sagen müssen.”
Nur auf die dritte antwortete ich.
“Ja.”
Mehr schrieb ich nicht.
Am nächsten Morgen fand ich Emma wieder im Flur.
Sie trug ihren Schlafanzug und lief langsam über die Stelle, an der die Fußleiste von monatelangem Üben verschrammt war.
“Ich mache es nur noch einmal”, sagte sie.
Ich setzte mich auf den Boden und sah ihr zu.
Am Ende drehte sie sich, wie sie es immer getan hatte.
Doch diesmal hielt sie keinen unsichtbaren Korb.
Sie verbeugte sich auch nicht.
“Fertig”, sagte sie und ging frühstücken.
Mein Vater kam am Nachmittag zu uns.
In der Hand hielt er keine rote Mappe, sondern eine kleine Schachtel.
Darin lagen die Gänseblümchen-Haarspangen, die ich auf der Veranda zurückgelassen hatte.
Er hatte sie eingepackt, als wären sie etwas Kostbares.
“Die gehören dir”, sagte er zu Emma.
Sie nahm eine heraus und drehte sie zwischen den Fingern.
“Ich will nie wieder Blumenmädchen sein.”
Mein Vater nickte.
“Das musst du auch nicht.”
Dann erklärte er ihr, dass auf dem Lindenhof im Herbst ein großes Erntefest stattfinden würde.
Kinder aus dem Dorf durften dort Laternen tragen, Äpfel sammeln und Musik machen.
Es gab keine ausgewählten Hauptrollen, keine perfekten Bilder und niemanden, der entscheiden durfte, welches Kind optisch besser passte.
“Du kannst kommen”, sagte er.
“Aber nur, wenn du Lust hast.”
Emma überlegte.
“Darf ich Mama helfen?”
“Natürlich.”
“Dann komme ich vielleicht.”
Das Wort vielleicht brachte meinen Vater zum Lächeln.
Es war kein vorsichtiges Hoffen mehr.
Es war eine Entscheidung, die ihr selbst gehörte.
Ryan heiratete Madison zwei Tage später im Garten ihrer Eltern.
Wir gingen nicht hin.
Mein Vater ebenfalls nicht.
Einige Wochen danach bat Ryan um ein Treffen.
Er kam allein.
Er setzte sich an unseren Küchentisch und legte sein Handy mit dem Display nach unten.
Zum ersten Mal seit langer Zeit wirkte er nicht, als hätte er eine Verteidigungsrede vorbereitet.
“Madison und ich haben ständig Streit”, sagte er.
“Sie meint, deine Familie habe unsere Hochzeit sabotiert.”
“Unsere Familie?”
Er schloss kurz die Augen.
“Ich meine Dad und dich.”
“Du hast die Entscheidung getroffen, Emma nicht anzurufen.”
“Ich weiß.”
“Du hast sie am Abend zuvor noch Prinzessin genannt.”
“Ich weiß.”