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Das Armband des Straßenkindes trug den Namen seiner verschwundenen Tochter / Chapter 1 / 6

Chapter 1 — Das Armband des Straßenkindes trug den Namen seiner verschwundenen Tochter

4.9Editorial score

Konrad hielt das gesprungene Telefon so fest, dass seine Fingerknöchel weiß wurden.

Aus dem kleinen Lautsprecher rauschte es, dann erklang eine Männerstimme, die er seit Jahren täglich gehört hatte.

Julians Stimme.

„Wenn du deinem Vater sagst, dass ich die Überweisungen gefälscht habe, sorge ich dafür, dass er dich für immer für eine Diebin hält.“

In der Bäckerei bewegte sich niemand.

Die Kassiererin stand mit offenem Mund hinter dem Tresen.

Der Filialleiter hatte den Blick gesenkt.

Selbst die Gäste, die Noah und Mia wenige Minuten zuvor wie Schmutz behandelt hatten, saßen reglos an ihren Tischen.

Julian Seidel reagierte als Erster.

Er sprang nach vorn und griff nach dem Telefon.

Einer der Sicherheitsmänner packte ihn am Unterarm und zog ihn zurück.

„Lassen Sie mich los“, fauchte Julian.

„Diese Aufnahme ist manipuliert.“

Konrad sah seinen Neffen an.

Noch nie hatte er in dessen Gesicht so deutlich Angst gesehen.

„Du hast nicht einmal gefragt, welche Aufnahme es ist“, sagte Konrad.

Julian blinzelte.

Nur einmal.

Aber es genügte.

Noah stand neben Konrad und hielt Mia fest.

Das kleine Mädchen war wieder eingeschlafen, doch ihr Atem ging flach und schnell.

Konrad strich ihr mit dem Handrücken über die Stirn.

Sie war glühend heiß.

Er wandte sich an den Sicherheitsmann.

„Rufen Sie einen Krankenwagen.

Und die Polizei.“

„Onkel, denk nach“, sagte Julian.

Seine Stimme wurde weicher.

„Irgendwelche Straßenkinder tauchen mit einem alten Schmuckstück und einer Tondatei auf.

Das ist Erpressung.“

Noah hob den Kopf.

„Meine Mutter hat gesagt, Sie würden genau das behaupten.“

Er griff vorsichtig in die Kapuze seiner Schwester und zog einen kleinen Messingschlüssel hervor.

An einem runden Anhänger stand die Zahl 317.

Julian wurde grau.

Konrad kannte die Nummer.

Am alten Hauptbahnhof gab es noch immer die historischen Schließfächer aus Messing.

Fach 317 hatte Sophie als Jugendliche benutzt, wenn sie ihm heimlich Geburtstagsgeschenke verstecken wollte.

„Was ist darin?“, fragte Konrad.

Noah schüttelte den Kopf.

„Mama hat nur gesagt, dass dort alles liegt, was sie nicht bei sich tragen konnte.“

Das Telefon klingelte.

Auf dem Display stand keine Nummer.

Konrad nahm ab.

Eine Frau sprach schnell und leise.

„Herr Winter? Mein Name ist Dr.

Alina Berg.

Ich arbeite ehrenamtlich in der Notfallstation am Güterbahnhof.

Wir haben Ihre Tochter gefunden.“

Konrads Knie wurden weich.

„Lebt sie?“

„Ja.

Aber sie hat eine schwere Lungenentzündung und ist stark unterkühlt.

Ein Rettungswagen bringt sie gerade in die Städtische Klinik.“

Konrad schloss die Augen.

Acht Jahre lang hatte er sich ausgemalt, wie dieser Satz klingen würde.