Er hatte gehofft, gebetet und sich gleichzeitig vor dem Moment gefürchtet.
„Ich komme sofort.“
Die Ärztin zögerte.
„Herr Winter, jemand war vor uns bei ihr.
Ihr Zimmer wurde durchsucht.
Sie hatte eine Platzwunde am Kopf.
Sie konnte nur einen Namen sagen, bevor sie das Bewusstsein verlor.“
Konrad sah Julian an.
„Welchen Namen?“
„Julian.“
Der Sicherheitsmann verstärkte seinen Griff.
Julian riss den Arm weg.
„Das beweist überhaupt nichts.
Sophie war schon damals verwirrt.
Sie hat gestohlen und ist weggelaufen, weil sie erwischt wurde.“
Konrad spürte, wie sich etwas in ihm veränderte.
Jahrelang hatte er Sophies Verschwinden als offene Wunde getragen.
Unter der Trauer lag Scham, denn er hatte ihr damals nicht geglaubt.
Nun wurde aus der Scham Klarheit.
„Die Polizei wird entscheiden, was es beweist“, sagte er.
Sirenen näherten sich.
Wenige Minuten später kamen Sanitäter herein.
Sie untersuchten Mia, legten ihr eine kleine Sauerstoffmaske an und brachten sie auf einer Trage hinaus.
Noah wollte nebenherlaufen, doch seine Beine gaben fast nach.
Konrad fing ihn auf.
„Ich trage dich nicht“, sagte er leise.
„Aber du kannst dich an mir festhalten.“
Noah zögerte, dann griff er nach seinem Ärmel.
Hinter ihnen begann Julian mit einem Polizisten zu diskutieren.
Er nannte Namen, Titel und Anwälte.
Konrad hörte nicht mehr hin.
Im Krankenhaus roch es nach Desinfektionsmittel und warmer Luft.
Mia wurde sofort in die Kinderstation gebracht.
Noah saß draußen auf einem Stuhl, in eine Decke gewickelt, und hielt einen Becher Kakao, ohne davon zu trinken.
Konrad stand vor der Tür zu Sophies Zimmer.
Durch die Glasscheibe sah er eine Frau mit eingefallenem Gesicht und dunklem Haar.
Ein Verband lag über ihrer Schläfe.
Schläuche führten zu ihren Armen.
Acht Jahre hatten ihre Spuren hinterlassen, doch Konrad erkannte sie sofort.
Nicht an ihrem Gesicht.
An der Art, wie ihre linke Hand selbst im Schlaf den Rand der Decke umklammerte.
Schon als Kind hatte sie das getan, wenn sie Angst hatte.
Konrad trat ein.
Er setzte sich neben das Bett und nahm ihre Hand.
„Sophie“, flüsterte er.
Ihre Lider bewegten sich.
Langsam öffnete sie die Augen.
Für einen Moment sah sie ihn an, ohne ihn zu erkennen.
Dann füllten sich ihre Augen mit Tränen.
„Papa?“
Konrad konnte nicht antworten.
Er beugte sich über ihre Hand und weinte.
Nicht laut.
Nur mit den erschöpften, zitternden Atemzügen eines Mannes, der acht Jahre lang versucht hatte, stark zu bleiben.
Sophie zog ihre Finger schwach aus seiner Hand.
„Die Kinder.“ „Sie sind hier.