Diese Angaben sollten auf Wunsch der Braut in einer Videopräsentation erscheinen.
Kramer hatte die Präsentation gestoppt, nachdem er meinen Namen auf der Liste erkannt und die Unterlagen überprüft hatte.
Adrian las jeden Satz.
“Du wolltest auf unserer Hochzeit ein Video zeigen, in dem du behauptest, du hättest Leon allein großgezogen?”
Monica wurde blass.
“Die Agentur hat das dramatischer formuliert.
Das macht man so bei Hochzeitsfilmen.”
“Du hast die Angaben unterschrieben.”
“Weil ich keine Zeit hatte, alles zu lesen.”
Helena schloss die Sorgerechtsakte.
“Monica”, sagte sie, “du hast uns erzählt, Daniel sei arbeitslos gewesen, habe getrunken und dich bedroht.
Gibt es dafür irgendeinen Beleg?”
“Nicht alles hinterlässt Beweise.”
“Gibt es eine Anzeige? Einen Arztbericht? Eine Nachricht? Einen Zeugen?”
Monica presste die Lippen zusammen.
“Ich musste mich damals schützen.”
“Dann beantworte eine einfache Frage”, sagte Helena.
“Warum hast du zehn Jahre lang keinen gerichtlich dokumentierten Besuch beantragt?”
Monica sah zu Adrian.
“Du wirst doch nicht deiner Mutter erlauben, mich vor allen Leuten zu verhören.”
Er strich sich mit beiden Händen über das Gesicht.
“Ich erlaube ihr gar nichts.
Ich versuche herauszufinden, wen ich heiraten wollte.”
“Mich!”, rief Monica.
“Die Frau, die du seit vier Jahren liebst.
Nicht diese Akten.
Nicht diesen verbitterten Mann.
Mich.”
Sie griff nach seiner Hand.
Adrian zog sie zurück.
Die kleine Bewegung traf sie härter als jeder laute Vorwurf.
“Sag mir die Wahrheit”, sagte er.
“Hast du versucht, deinen Sohn zu sehen?”
Monica schwieg.
“Nicht irgendeine komplizierte Wahrheit.
Nicht Daniels Version oder deine Version.
Hast du Termine beantragt? Bist du zu seiner Einschulung gegangen? Hast du ihn an seinen Geburtstagen angerufen?”
Ihre Augen füllten sich mit Tränen.
Für einen Moment fragte ich mich, ob sie endlich zusammenbrechen und ehrlich sein würde.
Dann zeigte sie auf Leon.
“Er wollte mich doch gar nicht sehen.
Schau ihn an.
Er hasst mich, weil sein Vater ihn vergiftet hat.”
Leon wich einen Schritt zurück.
Etwas in mir wurde kalt.
“Genug”, sagte ich.
Ich sagte es nicht laut.
Trotzdem verstummte der Raum.
“Du kannst mich beschuldigen.
Du kannst über mein Auto lachen oder behaupten, ich hätte dich kontrolliert.
Aber du wirst nicht unserem Sohn die Verantwortung dafür geben, dass du verschwunden bist.”
Monica öffnete den Mund.
“Er war ein Baby”, fuhr ich fort.
“Er konnte dich nicht zurückweisen.
Mit zwei Jahren konnte er dich nicht zurückweisen.
Mit fünf Jahren konnte er nicht entscheiden, dass du keine Karte schicken solltest.