Das waren deine Entscheidungen.
Nicht seine.”
Leon stellte sich dichter neben mich.
Monica sah ihn an, doch diesmal versuchte sie nicht zu lächeln.
“Ich war nicht bereit”, sagte sie schließlich.
Es war der erste ehrliche Satz, den sie an diesem Abend ausgesprochen hatte.
“Ich hatte Angst, mein ganzes Leben in einer kleinen Wohnung zu verbringen.
Ich wollte reisen.
Ich wollte nicht mit zweiundzwanzig nur noch Mutter sein.”
Niemand unterbrach sie.
“Dann lernte ich Menschen kennen, die mir zeigen konnten, wie ein anderes Leben aussieht.
Je länger ich weg war, desto schwerer wurde es, zurückzukommen.
Und irgendwann hatte Daniel alles im Griff.
Er brauchte mich nicht.”
“Leon brauchte dich”, sagte ich.
Sie schloss kurz die Augen.
“Vielleicht.
Aber ich wusste nicht, wie ich zurückkommen sollte.”
“Mit einem Anruf”, sagte Leon.
Monica sah ihn an.
“Du hättest einfach meinen Namen sagen können”, fügte er hinzu.
Ihre Schultern sanken.
Ich empfand keine Genugtuung.
Zehn Jahre lang hatte ich mir manchmal vorgestellt, Monica würde eines Tages verstehen, was sie verloren hatte.
In meiner Fantasie fühlte sich dieser Moment gerecht an.
In Wirklichkeit sah ich nur meinen Sohn, der vor hundert Fremden um eine Erklärung bitten musste, die ihm längst zugestanden hätte.
Adrian löste langsam die Blume von seinem Jackett und legte sie auf den Tisch.
“Die Hochzeit findet nicht statt”, sagte er.
Monica fuhr herum.
“Du kannst nicht wegen einer Szene alles wegwerfen.”
“Nicht wegen einer Szene.
Wegen vier Jahren Lügen.”
“Ich habe dich geliebt.”
“Vielleicht.
Aber du hast mich eine Frau lieben lassen, die nicht existiert.”
Sie griff erneut nach ihm, doch Helena stellte sich dazwischen.
“Wir gehen jetzt in einen privaten Raum”, sagte sie.
“Dort klären wir, wie die Gäste informiert werden und welche Kosten bereits entstanden sind.”
Monica lachte bitter.
“Natürlich.
Kosten.
Darum geht es euch immer.”
Adrian sah sie lange an.
“Nein.
Heute geht es darum, dass du deinen Sohn als Dekoration für unsere Hochzeit benutzt hast.”
Damit wandte er sich ab.
Monica blieb mitten im Saal stehen.
Die Gäste mieden ihren Blick.
Einige wirkten schockiert, andere peinlich berührt.
Die Tante, die ihr beim Essen noch tröstend über den Arm gestrichen hatte, nahm schweigend ihre Handtasche vom Stuhl.
Ich bat Kramer, die Türen wieder zu öffnen.
“Das Essen ist bezahlt”, sagte ich.
“Die Mitarbeiter haben gearbeitet.
Die Gäste können bleiben, essen oder gehen.
Niemand vom Personal soll wegen dieser Sache früher nach Hause geschickt werden.”
Kramer nickte.