Morgen ist die Anhörung.“
Margaret schwieg so lange, dass Evan ihren Atem hören konnte.
„Ich komme.“
Zwanzig Minuten später fuhr ihr Wagen vor.
Margaret stieg aus, ohne einen Schirm zu öffnen.
Der Regen zerstörte ihre Frisur, doch sie schien es nicht zu bemerken.
Sie riss Evan die Unterlagen aus der Hand und blätterte durch die Seiten.
Als sie den Namen der Richterin sah, wurde ihr Gesicht grau.
„Das darf nicht vor Miriam Bell landen.“
„Warum?“
Margaret blickte zur offenen Bürotür.
Auf dem Schreibtisch spielte Lilys Video weiter.
„Der USB-Stick war nur die Kopie“, sagte Lily gerade.
„Das Original liegt seit heute Nachmittag beim Gericht.“
Neben ihr legte die Ermittlerin ein weiteres Dokument auf den Tisch.
Es war der Entwurf des Antrags, Lily nach der Geburt für unzurechnungsfähig erklären zu lassen.
Unten standen zwei Unterschriften.
Evans.
Und Margarets.
„Sie hat uns aufgenommen“, flüsterte Margaret.
„Wann?“
„Offenbar öfter, als wir dachten.“
Evan drehte sich zu ihr.
„Du hast gesagt, die Unterlagen wären rechtlich nicht zurückzuverfolgen.“
Margarets Blick wurde hart.
„Und du hast gesagt, du könntest deine Frau kontrollieren.“
„Sie ist nicht mein Problem.
Du hast den Plan geschrieben.“
„Aber du hast ihn unterschrieben.“
Das Telefon klingelte erneut.
Auf dem Display erschien keine Nummer, nur der Hinweis auf eine Bundesbehörde.
Margaret griff nach seinem Handgelenk.
„Geh nicht ran.“
Evan löste ihre Finger und nahm das Gespräch an.
Eine Frau stellte sich als Sonderermittlerin Dana Ruiz vor.
„Herr Whitmore, wir möchten Ihnen Gelegenheit geben, morgen in Anwesenheit Ihres Anwalts eine Aussage zu machen.“
„Wozu?“
„Zu mehreren Überweisungen, zu gefälschten Sicherheiten und zu einer Zeugin, die heute Abend mit uns gesprochen hat.“
Evan sah zu Margaret.
„Welche Zeugin?“
„Vanessa Cole.“
Der Name traf ihn härter als die Scheidungspapiere.
Vanessa war nicht nur seine Geliebte.
Sie leitete die Compliance-Abteilung seiner Firma.
Sie hatte Zugriff auf interne Buchungen, Genehmigungsabläufe und die Korrespondenz mit den Banken.
Evan hatte geglaubt, sie sei loyal, weil er ihr teure Geschenke gemacht und ihr eine Beförderung versprochen hatte.
Er hatte Loyalität mit Abhängigkeit verwechselt.
„Wir sehen uns morgen“, sagte die Ermittlerin und beendete das Gespräch.
Margaret ging sofort zum Schreibtisch.
„Wir müssen jedes Gerät im Haus finden.“
„Die Verfügung verbietet uns, etwas zu löschen.“
„Dann löschen wir nichts.
Wir verlieren nur ein paar Geräte.“
Evan starrte sie an.
Noch am selben Nachmittag hätte er ihren Vorschlag akzeptiert.
Nun sah er darin nur eine weitere Falle.