Voss’ Gesicht blieb unbewegt, doch an seiner Schläfe begann eine Ader zu pochen.
„Das beweist gar nichts.“
Ich öffnete den Laptop.
„Dann hören wir uns an, was Sie selbst gesagt haben.“
Laura griff nach dem Gerät.
Ich zog es zurück und startete die Aufnahme.
Wieder erklang Voss’ Stimme.
„Halt ihre Arme ruhiger.
Wenn sie sich weiter wehrt, sieht man die Abdrücke.“
Der jüngere Pfleger trat einen Schritt zurück.
„Doktor“, sagte er, „davon wurde uns nichts gesagt.“
Voss drehte sich zu ihm.
„Das ist manipuliert.“
Ich spielte die nächste Datei ab.
Darin besprachen Laura und Voss die geplante Vermögensübertragung.
Voss verlangte einen höheren Anteil, weil er mit seiner Unterschrift ein berufliches Risiko eingehe.
Laura versprach ihm zehn Prozent aus dem Verkauf einer der Wohnungen.
Nun verlor er die Kontrolle.
„Schalten Sie das aus!“
„Sie sagten gerade, die Aufnahme sei manipuliert.“
„Sie dürfen mich nicht heimlich aufnehmen.“
Wieder dieselbe Reaktion wie bei Laura.
Kein Dementi.
Nur Angst vor der Verwertung.
Draußen hielten zwei Fahrzeuge.
Blaulicht spiegelte sich in den Fenstern, lautlos, aber unübersehbar.
Laura fuhr herum.
„Du hast die Polizei gerufen?“
„Meine Juristin hat es getan, nachdem sie die Dateien gehört hatte.“
Zwei Polizeibeamte betraten das Haus.
Hinter ihnen kamen eine Notärztin und Hauptmann Reuter in Zivil.
Reuter zeigte kurz ihren Dienstausweis und erklärte, sie sei als meine rechtliche Vertrauensperson anwesend.
Die Notärztin ging sofort zu meiner Mutter.
„Frau Bergmann, darf ich Ihre Handgelenke ansehen?“
Mutter nickte.
Als die Ärztin die Ärmel hochschob, wurde ihr Gesicht ernst.
Sie untersuchte Mutters Pupillen, Puls und Orientierung.
Dann nahm sie die braune Flasche mit Handschuhen entgegen.
„Woher stammt diese?“
„Laura brachte sie mir jeden Morgen“, sagte Mutter.
Voss trat vor.
„Das ist ein gewöhnliches Beruhigungsmittel.“
Die Notärztin sah ihn an.
„Dann können Sie sicher sagen, welches Präparat und welche Dosierung.“
Er antwortete nicht.
Einer der Polizisten bat Laura und Voss, getrennt voneinander im Esszimmer zu warten.
Laura weigerte sich zunächst.
„Das ist mein Haus.“
Mutter richtete sich auf.
„Nein.
Es ist meines.“
Der Satz war leise, aber er veränderte den ganzen Raum.
Laura starrte sie an.
„Nach allem, was ich für dich getan habe?“ „Du hast mich eingesperrt.“
„Ich habe mich um dich gekümmert!“
„Du hast mich betäubt, damit du mich bestehlen kannst.“