Ihre Augen verengten sich.
„Du wirst trotzdem allein sein.“
Dieser Satz sollte mich treffen.
Früher hätte er es getan.
Doch hinter ihr stand Mara.
Im Esszimmer verpackte Jonas die Akte.
Vor der Tür warteten Beamte, die gekommen waren, weil ich gesprochen hatte und weil meine Beweise tragfähig waren.
Allein zu sein bedeutete nicht, schutzlos zu sein.
„Lieber allein“, sagte ich, „als an jemanden gebunden, der meine Auslöschung plant.“
Patricia wurde hinausgeführt.
Die folgenden Monate waren nicht so sauber und befriedigend wie das Ende eines Films.
Es gab Vernehmungen, Durchsuchungen und endlose Protokolle.
Die Verteidiger behaupteten zunächst, die Gespräche seien schwarzer Humor gewesen.
Dann hieß es, Adrian habe allein gehandelt.
Später versuchte Patricia, Dr.
Weiss die gesamte Verantwortung zuzuschieben.
Doch die Finanzdaten widersprachen ihnen.
Meridian war Teil eines Netzes aus Scheinfirmen, über das Vermögen älterer oder isolierter Menschen verschoben worden war.
Dr.
Weiss hatte in mehreren Fällen Gefälligkeitsgutachten erstellt.
Angehörige erhielten Vollmachten, Immobilien wurden unter Wert verkauft und Gelder über Beratungsverträge weitergeleitet.
Nicht jedes Opfer war dauerhaft in einer Klinik geblieben.
Das war auch nicht nötig gewesen.
Schon wenige Wochen reichten, um Konten zu leeren, Dokumente zu ändern und Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Betroffenen zu säen.
Zwei Frauen, deren Namen auf den Rechnungen gestanden hatten, wurden erneut befragt.
Eine von ihnen, Sabine Roth, weinte, als die Ermittler ihr erklärten, dass ihre damalige Diagnose überprüft werde.
Jahrelang hatte ihre Familie behauptet, sie bilde sich den Verlust ihres Hauses nur ein.
Nun lagen die Überweisungen schwarz auf weiß vor.
Adrian kooperierte schließlich.
Nicht aus Reue, sondern aus Angst vor der Strafe.
Er gab zu, unsere erste Begegnung arrangiert zu haben.
Patricia hatte herausgefunden, dass ich alleinige Eigentümerin einer schuldenfreien Wohnung war und über erhebliche Ersparnisse verfügte.
Meine Tätigkeit in der Betrugsabteilung hatte sie zunächst abgeschreckt, dann aber auf eine gefährlichere Idee gebracht.
Wenn sie mich heirateten, kontrollierten und anschließend diskreditierten, konnten sie sowohl mein Vermögen als auch mögliche interne Informationen nutzen.
Adrian bestand darauf, irgendwann echte Gefühle für mich entwickelt zu haben.
Ich glaubte ihm sogar.
Das machte es nicht besser.
Vielleicht hatte er mich auf seine Weise geliebt.
Aber jedes Mal, wenn er sich zwischen mir und seiner Rettung entscheiden musste, hatte er mich geopfert.
Liebe, die nur existiert, solange sie nichts kostet, ist keine Sicherheit.
Sie ist Dekoration.
Die Hochzeit wurde natürlich abgesagt.
Das Brautgeschäft erstattete mir einen Teil der Kosten.
Die Satinschuhe behielt ich.
Monatelang standen sie unangetastet in ihrer Schachtel.
Ich konnte sie nicht ansehen, ohne Patricias Stimme zu hören.
Dann kam der Verhandlungstag.
Der Gerichtssaal war voller Journalisten, ehemaliger Patienten, Angehöriger und Mitarbeiter der Klinik.
Dr.
Weiss saß mit gesenktem Kopf neben seinen Anwälten.
Adrian wirkte schmaler als früher.
Patricia trug einen dunklen Anzug und dieselbe kontrollierte Miene, die sie im Brautgeschäft getragen hatte.
Die Staatsanwaltschaft spielte die Aufnahme ab, die ich hinter dem Vorhang gemacht hatte.
„Nach der Hochzeit bringst du sie dazu, die Wohnung auf euch beide überschreiben zu lassen.“
Patricias Stimme füllte den Saal.
„Dann dokumentieren wir ihre Ausbrüche.“