Emily legte ihren freien Arm um ihn.
„Sprich nicht so mit ihm.“
„Du bist nicht mehr angestellt“, sagte Victoria.
„Du hast in dieser Familie nichts zu bestimmen.“
Die Polizeibeamten stiegen aus.
Einer von ihnen ging sofort zu Liam, während seine Kollegin die Gruppe musterte.
„Wer ist verletzt?“
Emily erklärte knapp, dass Liam eine Schnittwunde an der Hand hatte.
Der Beamte forderte einen Rettungswagen an und fragte, wie es dazu gekommen war.
Liam zeigte zur Villa.
„Wir mussten raus.“
„Woraus?“
„Aus dem kleinen Raum neben der Küche.
Victoria hat abgeschlossen.“
„Lüge“, sagte Victoria.
Der zweite Beamte hob die Hand.
„Bitte lassen Sie das Kind ausreden.“
Noah kniete sich neben das zerstörte Aufnahmegerät.
Dann griff er in Richards Jackett, das sein Vater über dem Arm trug, und zog Richards Telefon heraus.
„Papa“, sagte er.
„Das Video ist noch da.“
Richard runzelte die Stirn.
Noah öffnete eine App.
Emily hatte den Jungen Monate zuvor gezeigt, wie ihre Aufnahmen automatisch auf Richards privaten Familienspeicher übertragen wurden.
Damals hatte Richard die Funktion kaum beachtet.
Für ihn war es nur eine Möglichkeit gewesen, die zahllosen Kinderfilme nicht zu verlieren.
Nun erschien auf seinem Display dieselbe Aufnahme.
Darunter lag eine zweite Datei.
VICTORIA – INTERNAT UND UNTERSCHRIFT.
Richard sah Emily an.
„Hast du das aufgenommen?“
Emily schüttelte den Kopf.
„Nein.“
Noah hob die Hand.
„Ich.
Gestern.
Victoria hat telefoniert, während wir hinter dem Sofa unser Raumschiff gebaut haben.“
Victoria versuchte erneut, nach dem Telefon zu greifen.
Richard wich zurück.
Zum ersten Mal stellte er sich körperlich zwischen sie und das Gerät.
„Du bewegst dich nicht.“
Seine Stimme war leise, doch alle hörten die Veränderung darin.
Victoria lachte nervös.
„Richard, denk nach.
Du glaubst doch nicht ernsthaft einer Haushälterin und drei verängstigten Kindern mehr als mir.“
Richard blickte zu seinen Söhnen.
„Genau das habe ich vor zehn Minuten getan“, sagte er.
„Ich habe dir mehr geglaubt als ihnen.
Und als Emily.“
Er öffnete die zweite Datei.
Das Bild zeigte nur einen Teil des Wohnzimmers.
Noah hatte die Kamera zwischen zwei Kissen gelegt.
Victorias Stimme war deutlich zu hören.
„Die Formulare liegen bereit“, sagte sie am Telefon.
„Richard wird unterschreiben, sobald die Hochzeit vorbei ist.
Ich werde ihm sagen, das Internat sei therapeutisch notwendig.“