Dieser Satz traf Richard sichtbar.
Die Sanitäterin brachte Liam zum Rettungswagen.
Emily wollte ihm folgen, hielt jedoch inne und sah Richard an.
„Er hat Angst vor Nadeln.
Man muss ihm vorher erklären, was passiert.
Nicht erst, wenn man ihn festhält.“
Richard nickte.
„Komm mit.“
Emily blieb stehen.
Vor wenigen Minuten hatte er ihr verboten, sich seinen Kindern zu nähern.
Nun erwartete er, dass sie ohne Zögern wieder die Verantwortung übernahm, die er ihr abgesprochen hatte.
„Ich komme für Liam mit“, sagte sie.
„Nicht, weil du es erlaubst.“
Richard senkte den Kopf.
„Verstanden.“
Ethan und Noah stiegen ebenfalls in den Rettungswagen.
Richard wollte folgen, doch die Polizeibeamten baten ihn zu bleiben.
Die Vorwürfe wegen Diebstahls, möglicher Freiheitsberaubung und einer falschen Meldung mussten aufgenommen werden.
Victoria verschränkte die Arme.
„Mein Anwalt wird das in einer Stunde beenden.“
Richard sah sie lange an.
Dann zog er den Verlobungsring von ihrer Hand.
Victoria war so überrascht, dass sie sich nicht wehrte.
„Dein Anwalt kann dir erklären, was als Nächstes passiert“, sagte er.
„Du wirst doch nicht alles wegwerfen, weil drei Kinder eine Geschichte erzählen.“
Richard hob sein Telefon.
„Ich werfe nichts weg.
Ich sehe endlich hin.“
Er rief seine langjährige Familienanwältin Miriam Keller an und bat sie, sofort zur Villa zu kommen.
Miriam traf vierzig Minuten später ein.
Bis dahin hatten die Beamten die beschädigte Vorratskammer fotografiert.
An der Tür befand sich außen ein Schlüssel.
Auf dem Boden lagen Glassplitter und kleine Blutspuren.
Im Papierkorb der Bibliothek fanden sie eine zerrissene Kopie der Internatsunterlagen.
Miriam las die Dokumente mit zusammengepressten Lippen.
„Richard, diese Formulare sind nicht nur Schulanmeldungen“, sagte sie.
„Was meinst du?“
„Im Anhang befindet sich eine Vollmacht für medizinische und schulische Entscheidungen.
Victoria wäre als primäre Kontaktperson eingetragen worden.“
„Das hätte ich niemals unterschrieben.“
Miriam blickte ihn fest an.
„Deine Unterschrift steht bereits auf zwei Seiten.“
Richard nahm die Unterlagen.
Die Signatur sah seiner ähnlich, war aber nicht seine.
Victoria sagte nichts mehr.
Ein Beamter fragte sie, ob sie erklären könne, wie die Unterschrift dorthin gekommen sei.
„Richard unterschreibt ständig Dokumente, an die er sich später nicht erinnert.“
„Das ist keine Antwort“, sagte Miriam.
Sie verglich die Papiere mit einer Nachricht, die Victoria drei Tage zuvor an Richards Büro geschickt hatte.
Darin hatte sie um digitale Kopien mehrerer Unterschriftenseiten gebeten, angeblich für die Hochzeitsplanung.
Der Zusammenhang war nicht länger zu übersehen.
Victoria wechselte die Strategie.
Sie begann zu weinen.
„Ich wollte dir helfen“, sagte sie zu Richard.
„Du bist überfordert.
Diese Kinder bestimmen dein ganzes Leben.