Bereits auf halbem Weg hörten sie das Zischen.
Der Leibwächter wollte Mara zurückhalten.
„Der Absperrhahn sitzt hinter dem Druckmesser“, sagte sie.
„Ich weiß, wie man ihn erreicht.“
„Woher?“ fragte Dominic.
„Weil Martin vor drei Monaten die Wartungsfirma nicht bezahlen wollte.
Der Küchenchef und ich mussten dem Techniker helfen.“
Dominic sah sie einen Moment an.
„Natürlich mussten Sie das.“
Sie erreichten den Technikraum.
Das Gasgeräusch war nun so laut, dass sie kaum sprechen konnten.
Mara zog ihr Shirt über Nase und Mund, kroch unter einem Rohr hindurch und fand die rote Notkurbel hinter dem Druckmesser.
Sie bewegte sich keinen Millimeter.
Jemand hatte einen dünnen Metallstift durch den Mechanismus geschoben.
Dominics Leibwächter nahm eine Zange aus dem Werkzeugkasten.
Der Stift saß zu fest.
Der Druckmesser stieg weiter.
Mara betrachtete die Konstruktion.
Martin hatte nicht improvisiert.
Der Stift war zugeschnitten worden.
Die Klemme oben in der Küche war vorbereitet gewesen.
Das war kein Plan, den er nach dem gescheiterten Attentat erfunden hatte.
Die Explosion war von Anfang an vorgesehen.
„Nicht ziehen“, sagte sie.
„Drehen.“
Der Leibwächter setzte die Zange seitlich an.
Dominic fasste die Kurbel mit beiden Händen.
Gemeinsam verdrehten sie den Stift, bis das Metall kreischte und brach.
Mara riss die Kurbel herum.
Das Zischen starb ab.
Für mehrere Sekunden hörte man nur ihr Atmen.
Dominic richtete sich auf und klopfte Staub von seinem Sakko.
„Sie haben heute Abend eine bemerkenswerte Abneigung dagegen, mich sterben zu lassen.“
„Sie waren nicht der Einzige über diesem Keller.“
Sein Blick blieb auf ihr liegen.
Dann nickte er einmal.
Als sie in die Küche zurückkehrten, war Martin nicht mehr dort.
Der Mann, der ihn bewacht hatte, lag neben dem Vorratsregal.
Nicht schwer verletzt, aber benommen.
Eine zerbrochene Weinflasche lag neben seiner Hand.
Die Hintertür stand offen.
Dominic wurde zum ersten Mal sichtbar wütend.
Nicht laut.
Nicht unkontrolliert.
Seine Gesichtszüge wurden lediglich stiller, als hätte jemand die letzte menschliche Regung daraus entfernt.
Mara lief zur Tür und sah hinaus.
Die Gasse war leer.
Regen glänzte auf dem Asphalt.
Am Ende der Straße bog ein schwarzer Wagen ab.
„Er hatte Hilfe“, sagte sie.
Dominic trat neben sie.
„Das wussten wir bereits.“
Er führte sie zurück in den Speisesaal.
Die beiden Männer aus Detroit saßen noch immer an Tisch sechs.
Niemand hatte ihnen erlaubt zu gehen.
Einer trank Wasser.